Jörg Jucker (r.) unterschreibt die Volksmotion von Christian Birchmeier gegen das Feuerwerk am 1. August in Stein am Rhein.  js
1/1 Jörg Jucker (r.) unterschreibt die Volksmotion von Christian Birchmeier gegen das Feuerwerk am 1. August in Stein am Rhein. js
14.11.2019 07:30

Dem Steiner Feuerwerk geht es an den Kragen

Immer am Nationalfeiertag wird über dem Rhein ein grosses Feuerwerk gezündet. Doch die über dreissig jährige Tradition gefällt nicht mehr allen Einwohnern.

Stein am Rhein Es ist kühl an diesem Samstagmorgen. Das Städtli ist nicht ausgestorben, von überrannt kann aber kaum die Rede sein. Dennoch hat sich auf dem Rathausplatz eine Menschentraube gebildet. Mittelpunkt ist ein Mann im dunkelgrünen Mantel. Mit einem Klemmbrett in der Hand steht er da, spricht mit den Leuten, gestikuliert. Es handelt sich um Christian Birchmeier. Der 66-jährige hat angekündigt, an eben diesem Samstag Unterschriften für eine Volksmotion zu sammeln. Eine Volksmotion gegen das Steiner Feuerwerk, das seit über dreissig Jahren über dem Rhein gezündet wird. Birchmeier erntet Zustimmung, in einer Stunde sammelt er gut achtzig Unterschriften.

Gigantismus

Birchmeier ist nicht primär dagegen, dass Kinder am 1. August Raketen zünden, wie er sagt. Aber das Feuerwerk sei einfach zu gross. Er spricht von Gigantismus, von Lärm, Verkehrschaos und Umweltverschmutzung. «Es belastet die Anwohner, das Klima, die Tiere. Deshalb habe ich mir gesagt: 'Ich muss jetzt etwas machen'.» Das hat der Steiner dann auch, und zwar auf eigene Faust.

Zugemüllte Rebberge

Seit über dreissig Jahren wohnt Birchmeier in Stein am Rhein, niedergelassen hat er sich in der Nähe des Strandbades. Und somit auch in der Nähe des alljährlichen Spektakels. «Ein Feuerwerk als Kunstwerk habe ich durchaus gerne, ich liebe es. Aber jetzt ist die Vernunft bezüglich Umweltschutz grösser, als die Lust an einem Feuerwerk.» Überhaupt sei der Grossanlass ja schon längst nichts mehr für die Einheimischen. Auswärtige, vor allem «die Dütsche», würden kommen, gehen und nichts bringen. Eine Passantin mischt sich ein, erklärt laut: «Doch, sie bringen etwas und zwar Abfall!» Birchmeier stimmt zu. «Es ist eine gewaltige Sauerei. Was hier hinterlassen wird an Abfall, das kann man sich fast nicht vorstellen.» Die Umstehenden nicken zustimmend, erzählen von zugemüllten Rebbergen, Abfall im Rhein und Fäkalien in den Gassen. «Deshalb ist es wichtig, dass der Stadtrat jetzt ein neues Konzept für eine besinnliche 1. Augustfeier macht», so Birchmeier. Es soll wieder ein Anlass für die Einheimischen sein. Nun wird in Kürze die Motion dem Präsidenten des Einwohnerrates übergeben, danach soll sie an den Stadtrat gehen. Dieser soll dann entscheiden, ob ein neues Konzept ohne Feuerwerk ausgearbeitet wird.

Janine Sennhauser

In der nächsten Ausgabe erfahren Sie, was der Verein «Steiner Feuerwerk» dazu sagt.