Die Seeforelle ist in Gefahr. Peter Rey
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31.10.2019 11:40

Klimawandel: Die Seeforelle leidet stumm

Die Seeforelle gilt als Aushängeschild des Bodensees. Nun aber drohen neue Gefahren - unter anderem wegen des Klimawandels. Darauf machen zwei Organisationen in einer Kampagne aufmerksam.

Region Bis zu 15 Kilogramm schwer und über einen Meter lang wird der majestätische Fisch. Die Bedeutung des Fisches geht weit über seine attraktive Erscheinung hinaus. Die Seeforelle gilt als «Flaggschiffart» für den Gewässerschutz am Bodensee und in seinen Zuflüssen. Die Ansprüche der Seeforelle an ihren Lebensraum sind nämlich weit grösser als jene der meisten anderen Fischarten. Heute ist der Zustand des Bodensees und der meisten seiner Zuflüsse wieder so gut, dass sie der Seeforelle einen geeigneten Lebensraum bieten. Der in den 1980er Jahren beinahe ausgestorbene Fisch ist zurück - ein grosser Erfolg.

Fischwanderung beeinträchtigt

Doch die Situation ist für die Fischwanderung noch nicht ideal. Die Seeforellen können noch nicht alle ehemaligen Laichgebiete erreichen. Auf dem Weg dorthin und später wieder flussabwärts gibt es viele künstliche Hindernisse, die von den Seeforellen nicht oder nur eingeschränkt passiert werden können. «Es ist wichtig, auch die verbleibenden Hindernisse möglichst rasch zu sanieren, denn mit dem Klimawandel drohen zusätzliche Belastungen», so der Kanton in einer Mitteilung. Im Herbst 2018 hatten der tiefe Pegelstand im Bodensee und der sehr geringe Abfluss in den Zuflüssen zur Folge, dass die Seeforellen ihre Laichplätze nur erschwert erreichen konnten. Beim Kraftwerk Reichenau, wo im Durchschnitt rund 800 Fische pro Jahr gezählt werden, die vom Bodensee nach Graubünden aufsteigen, registrierte man im vergangenen Jahr nur noch halb so viele.

Broschüre und Film

Es scheint, dass dem Aushängeschild der Bodenseefische neben traditionellen Schwierigkeiten auch neue Herausforderungen zu schaffen machen. Viele neue Arten sind in den See eingewandert und verändern dort das ökologische Gefüge. Auch der fortschreitende Klimawandel wirkt sich tendenziell negativ auf den Bestand der Seeforellen aus. Umso wichtiger ist die Anbindung der kleineren Seitengewässer, die von den Überflutungen weniger stark betroffen sind. «Wenn die Seeforelle intakte und vernetzte Lebensräume vorfindet, kann sie mit diesen neuen Herausforderungen besser umgehen», sagt Stephan Müller von der Internationalen Gewässerschutzkommission. In einer Kampagne setzt sich diese gemeinsam mit der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) dafür ein, dass die Massnahmen zum Schutz der Gewässer und der Fischerei weiter vorangetrieben werden. «Geht es der Seeforelle gut, profitieren auch die übrigen Fischarten und Wasserlebewesen», betonen Stephan Müller und Konrad Rühl (IBKF). Um die Bedeutung der Seeforelle einem breiteren Publikum bewusst zu machen, wurde ein Film und eine Broschüre veröffentlicht. Diese gibt es hier.

red