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Niederhauser und Kundry in ihrem Atelier in Fruthwilen.
1/1 rab Niederhauser und Kundry in ihrem Atelier in Fruthwilen.
05.11.2019 08:59

Sternbilder, Seelandschaften und Lebenslinien

Zur 25. Ausstellung des Künstlerpaars Kundry und Niederhauser treffen wir uns zum Pressegespräch in ihrem Haus oberhalb Fruthwilen. Die Sonne scheint und der Bodensee glänzt an diesem Tag wie in manchen Gemälden von Hans Niederhauser.

Fruthwilen Ein Nachmittag mit Kundry und Hans Niederhauser ist wie ein Besuch bei Freunden. Herzlich wird man von den beiden am 200 Jahre alten Eisentor empfangen, das nicht nur den Eingang zu einem wunderschönen Garten freigibt, sondern auch zu den Kreativwerkstätten der beiden Künstler. «Wir sind dankbar, dass wir hier leben und arbeiten dürfen, sagt Kundry mit einem Blick auf den Untersee, der schier endlos scheint. «Dieser Ort ist für uns beide eine Inspiration.» Vieles am Haus hat Hans Niederhauser vor 40 Jahren selbst gebaut. «Als freischaffende Künstler hätten sie es sich niemals leisten können, ein Haus bauen zu lassen», betont Kundry. «Zum Glück hat Hans so viele handwerkliche Fähigkeiten.» Das käme ihnen auch in den Vorbereitungen zu den Ausstellungen zugute. Denn die Holzrahmen für ihre Bilder baut er ebenfalls selbst.

Indisch Gelb

Über die ebenfalls selbstgebaute Wendeltreppe, die zu den Ateliers der beiden führt, gelangen wir in das Untergeschoss. In Kundrys Kunstwerkstatt steht eines der mannsgrossen Konvexgemälde von Hans. «Ich habe es meiner Frau mit einer besonderen Widmung geschenkt», sagt er lächelnd. Es sei ein so fröhliches Bild, schwärmt sie. Eine Seelandschaft mit starken Farben. Überhaupt sind die Kunstwerke, die Hans Niederhauser in der diesjährigen Ausstellung zeigt, ein Ausdruck fröhlichen Schaffens. Hat er sich in der Vergangenheit stundenlang in den Wald gestellt, um Wurzelwerk, Baumstämme, Äste und das einfallende Licht im Hier und Jetzt einzufangen, entstanden seine Bilder in diesem Jahr nicht diesem Realismus, sondern eher dem Impressionismus; sind Erinnerungen an Momentaufnahmen. Denn schon seit Jahren plagen ihn starke Nervenschmerzen in den Beinen, die es dem 89Jährigen unmöglich machen, lange zu stehen. Seinen Humor und vor allem die Liebe zur Natur habe er dadurch aber nicht verloren, sagt Kundry. Das zeige sich auch in seinen Arbeiten, die auffallend energiegeladen wirken, aus denen 'Indisch Gelb' hervorsticht. «Eine kräftige Farbe», betont er. Dem niederhauserischen Stil, der Konvex-Art, bleibt der Künstler in seinen Ölgemälden treu. «Ich kann mich nicht neu erfinden und mache das, was ich liebe und was mich in dem Moment antreibt. «Es sind Zeitdokumente einer Gefühlswelt, in der man sich selbst sein darf.»

Zwilling, Löwe und der grosse Bär

Kundry hat sich in ihrer diesjährigen Schaffensphase den Sternzeichen gewidmet. «Das Thema hat mich begeistert und fasziniert», erklärt sie. Und dies gehe wohl vielen Menschen so. In jedes Bild hat sie nicht nur die einzelnen Tierkreiszeichen, sondern auch das Sternbild eingebracht. Dabei schafft sie es, dass jedes der zwölf Bilder mystisch und geheimnisvoll wirkt. Speziell ist das 13. Sternbild, das es bei den Sternzeichen ja eigentlich gar nicht gibt. «Das ist die Freiheit der Künstlerin», sagt sie lachend. Die Ausstellungsbesucher dürfen gespannt sein, was auf dem Gemälde zu sehen ist. Wie bei ihren vorherigen Werken ist in all ihren Arbeiten Werden, Sein und Vergehen enthalten. «Wenn man sich länger mit den Bildern von Kundry beschäftigt, versinkt man darin und entdeckt in dessen Tiefe immer wieder Neues», sagt Hans. Kundry schliesst mit einem Zitat von Christian Morgenstern und sagt: «Schön ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet.»

www.bilder-raeume.ch

Angelina Rabener

25. Ausstellung in den «Bilder-Räumen» Kreuzlingen

«Niederhauser und Kundry» laden vom 27. Oktober bis 1. Dezember, (samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr) zur 25. Ausstellung in die Bilder-Räume, Hafenstrasse 4, Kreuzlingen ein. Vernissage ist am 27. Oktober um 11 Uhr. Es spricht Dr. Hansjörg Lang aus Mammern.