Präsidentin Tanja Kroha und die neuen Vorstandsmitglieder Janina Baumgartner, Jael Gysel, Andrea Helfenberger und Céline Pfister. Werner Lenzin
1/1 Präsidentin Tanja Kroha und die neuen Vorstandsmitglieder Janina Baumgartner, Jael Gysel, Andrea Helfenberger und Céline Pfister. Werner Lenzin
01.11.2019 08:00

Neu im Kindergärtnerinnen-Vorstand

Gegen 400 Thurgauer Kindergartenlehrpersonen wählten am Mittwoch in der Feldbachhalle Steckborn anlässlich der Thurgauer Kindergartenkonferenz (TKK) vier neue Vorstandsmitglieder. Psychologin Irina Kammerer stellte in ihrem Referat die Lehrperson ins Zentrum.

«Es gibt viele Facetten unseres Berufes und wir alle wissen, dass es in der Arbeit mit Menschen und Kindern vor allem auf die Beziehung und unsere Persönlichkeit ankommt», begrüsste Konferenzpräsidentin Tanja Kroha ihre Berufskolleginnen und einen Berufskollegen in der Feldbachhalle in Steckborn. Schulpräsidentin Bettina Gasser doppelte nach: «Die Beziehung zur Lehrperson ist wohl nirgends so eng und liebevoll wie im Kindergarten». In ihrem Jahresbericht hebt die Konferenzpräsidentin hervor, dass man sich an der letztjährigen Klausurtagung mit dem Thema Elterngespräch auseinandergesetzt habe. «Das Ziel war, für die Basis Unterlagen bereitzustellen, die das Thema von verschiedenen Seiten beleuchten und zum Thema Elterngespräch ein Set von Arbeitshilfen herzustellen, welches der Vorbereitung für Elterngespräche dienen soll», hebt die Präsidentin hervor. Sie erklärte, dass das Dokument, welches anlässlich der Konferenz in Steckborn den Kindergärtnerinnen übergeben wurde und auf der Homepage TKK herunter geladen werden kann, keinen verpflichtenden Charakter habe.

Bedeutungsvolle Bindung

Verhaltenstherapeutin Dr. phil. Irina Kammerer beleuchtete die Bildungserfahrungen und die Bedeutung für den Kindergarten und die Schule. Dabei berief sie sich auf die Bindungstheorie von John Bowlby und dessen Feststellung, dass Menschen jedes Alters am glücklichsten wirken und ihre Begabung am vorteilhaftesten Nutzen, wenn sie Gewissheit haben, dass mindestens eine Person hinter ihnen steht, die ihr Vertrauen besitzt und ihnen zu Hilfe kommt, falls sich Schwierigkeiten ergeben. Gemäss Kammerer sitzen in einer Klasse von 20 Kindern durchschnittlich vier bis fünf Kinder mit einem psychisch auffälligen Verhalten und die mittlere Häufigkeitsrate liegt bei Kindern im Vorschulalter bei 17 Prozent. Dafür verantwortlich sind psychische Störungen der Eltern, Störungen der Partnerschaft, mangelnde elterliche Bindung und ein ungünstiges Erziehungsverhalten. Die Familie spielt eine Schlüsselrolle und ist die wichtigste Sozialisationsgrösse in der kindlichen Entwicklung. «Eine frühkindliche Bindung dient als sichere Basis für die gesamte weitere Entwicklung und spätere psychische Störungen hängen häufig mit Bindungsstörungen zusammen», sagte die Referentin. Sie erklärte den Kindergärtnerinnen, dass die ersten zwei bis drei Lebensjahre für den Bindungsaufbau wichtig sind, die Bindung bis zum fünften Lebensjahr jedoch ein zentrales Thema bleibt und hob hervor: «Das Bindungsverhalten ist ein lebenslanges Thema und der Kindergärtnerin kommt als wichtige Bezugsperson eine grosse Bedeutung zu».

Unterstützung in der Emotionsregulation

Die Tatsache, dass heute lediglich die Hälfte der ihnen anvertrauten Kinder sicher gebunden ist, stellt hohe Anforderungen an die Kindergartenlehrpersonen. Für diese Gruppe von Kindern ist der «sichere Hafen» im Kindergarten eine Grundvoraussetzung und das Beziehungsangebot der Lehrperson eine sichere Basis. «Diese beinhaltet nebst einer Aufmerksamkeitszuwendung, Anteilnahme, Wertschätzung und Anerkennung», hebt Kammerer hervor. Für sie kann das Bindungs- und Beziehungsverfahren durch das Mit- und Einwirken der Lehrperson verändert und korrigiert werden und dazu brauche es eine Lehrpersonen-Sensitivität. Laut den Ausführungen der Verhaltenstherapeutin braucht es bindungsgeleitete Interventionen mit Feinfühligkeit, dies um dem Kind neue, korrektive Erfahrungen zu vermitteln. «Unsichere und desorganisiert gebundene Kinder benötigen eine Unterstützung in der Emotionsregulierung», lautet das Fazit von Irina Kammerer.

Vier neue Vorstandsmitglieder gewählt

Amtschef Beat Brüllmann vermittelt im Verlaufe seiner Ausführungen einen Überblick hinsichtlich des Fahrplans zur Bearbeitung der kantonalen Beurteilungsgrundlagen. Dazu gehören der Lehrplan, das Beurteilungsreglement und die Zeugnis-formulare. «Der Kanton hat entschieden, die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit der Beurteilung in den drei Teilprojekten Schulversuch, Dialog und Mentoring vertieft zu untersuchen», teilte der Amtschef mit. Er machte darauf aufmerksam, dass das Ganze erneut in eine Vernehmlassung gegeben wird und im Anschluss an diese Übergangsphase die kantonalen Beurteilungsgrundlagen bestimmt seien und umgesetzt werden, dies gemäss Planung ab dem Schuljahr 2021/22. Von Anne Varenne, Präsidentin Bildung Thurgau, erfuhren die Kindergartenlehrpersonen, dass im September 2020 an der Pädagogischen Hochschule Thurgau letztmals einen Studiengang Vorschulstufe/Kindergarten gestartet wird. Ab September 2021 soll deshalb ein Studiengang Kindergarten/Unterstufe eingeführt werden. Dies bedeutet laut Varenne: «Die Absolventinnen und Absolventen dieses Studienganges können sowohl Kindergarten wie auch in der ersten bis dritten Klasse Primarschule unterrichten».

Mit den Rücktritten von Nadia Städler, Marisa Hugelshofer und Jovana Bögli nach über zehnjähriger Vorstandstätigkeit mussten neue Vorstandsmitglieder gewählt werden. Neu in den Vorstand wurden einstimmig Janina Baumgartner, Céline Pfister, Jael Gisel und Andrea Helfenberger gewählt. Zuvor hatten die Konferenzmitglieder den Jahresbericht der Präsidentin und die Jahresrechnung 2018 einstimmig gutgeheissen.

Werner Lenzin