z.V.g.
Die Kinder des pädophilen Täters werden laut ihrer Anwälte lebenslänglich unter den Folgen der Missbräuche leiden.
1/1 z.V.g. Die Kinder des pädophilen Täters werden laut ihrer Anwälte lebenslänglich unter den Folgen der Missbräuche leiden.
06.12.2019 15:25

Wenn ein Vater seine Tochter berührt

Weil er von seiner Ehefrau zu wenig körperliche Zuneigung bekam, verging sich ein 49-jähriger Familienvater aus Weinfelden an seiner Tochter, seiner Stieftochter und an einem gut bekannten Mädchen. Vergangene Woche stand der Mann vor dem Bezirksgericht.

Weinfelden Die Anklageschrift liest sich schwer. Ein Mann, Familienvater, wird der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern angezeigt. Mit seinen Kindern. Seine Tochter war gerade vier Jahre alt, als der Beschuldigte sie das erste Mal für seine sexuelle Befriedigung missbrauchte. Seine Stieftochter war 12, als er ihr dabei half, sich intim zu rasieren. Die Tochter eines befreundeten Ehepaares litt vermutlich am meisten unter den Taten des 49-Jährigen. Das damals zehnjährige Mädchen wurde mehrfach unsittlich berührt und sexuell stimuliert. Die Schäden, die das Mädchen wahrscheinlich ihr Leben lang davontrage, seien immens, meinte ihr Anwalt vergangene Woche vor Gericht. Der Beschuldigte gestand die im Zusammenhang mit den Mädchen gegen ihn erhobenen Anklagen. Er bedaure, was er den Mädchen angetan habe und könne sich heute nicht mehr erklären, was ihn dazu gebracht hat. Er wollte sich sexuell befriedigen, dies sei aber nicht der Hauptgrund seiner Taten gewesen. Er habe Nähe gesucht, die er von seiner Frau nicht bekommen habe. Er habe sich nach Berührungen gesehnt. Berührungen, die dann von einem kleinen Mädchen kamen. Hätte denn nicht eine Umarmung oder eine Berührung an der Schulter gereicht, fragte ihn der Richter. «Wahrscheinlich», sagt der Beschuldigte. Dennoch berührte er die Mädchen intim und sie berührten ihn. Es sei schön gewesen, von jemandem Zuneigung zu bekommen, sagte der Mann. Seine Handlungen seien alle ungeplant und situativ gewesen, meinte der Verteidiger. Dennoch hätte der Familienvater, der heute davon träumt, mit seiner Familie wiedervereint leben zu können, damals schon wissen müssen, dass es ungesetzlich ist, die Mädchen für seine sexuelle Befriedigung zu benutzen. Es sei angenehm gewesen, als das Mädchen seinen Penis berührt habe, deshalb habe er nach dem ersten Mal nachgefragt, ob sie es erneut machen würde. Das Mädchen verneinte, er akzeptierte ihr Nein.

Intimwäsche in der Badewanne

Bezogen auf die Vorfälle mit dem Mädchen der befreundeten Familie fragte der Richter: «Wenn die Vorfälle alle situativ waren, würden Sie also im normalen Umfeld kein Mädchen ansprechen?» «Ich suche keinen sexuellen Kontakt zu kleinen Mädchen. Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort», antwortete der Täter. Wieso er sich überhaupt mehrmals mit ihr in die Badewanne gesetzt habe, sie sei ja nicht seine Tochter, wollte der Richter wissen. «Nach Zecken habe ich sie absuchen wollen und weil ich noch Essen zubereiten musste, schaute ich, dass das Baden schnell geht», so der Angeklagte. Und wie er es denn gefunden hätte, wenn der Vater des Mädchens dasselbe mit seinen Kindern gemacht hätte, fragte der Richter nach. «Ich hätte es gar nicht so weit kommen lassen.»

Den Bub habe er nicht angefasst

Dass er seiner Stieftochter, welcher er auch bei der Intimrasur behilflich war, an sich selber demonstrierte, wie man ein Kondom benutzt, befand der Beschuldigte damals für adäquat, sah es als Teil der Aufklärung an. Laut Anklageschrift verging sich der Beschuldigte nicht nur an den drei Mädchen, sondern auch an seinem Stiefsohn. Mit ihm soll er mehrmals gebadet, ihn unsittlich berührt und ihm gezeigt haben, wie man sich selber befriedigt. Diese Vorwürfe wies der Angeklagte zurück. Auch habe er sich nicht vor ihm selber befriedigt. Die anderen Anklagepunkte gesteht der Beschuldigte und gibt vor Gericht an, froh zu sein, dass er damals verhaftet wurde.

Zwischen 24 und 30 Monaten

Seine Stieftochter lebt heute bei den Grosseltern, die jüngste Tochter wurde fremdplatziert. Der Beschuldigte sieht sie alle drei Monate für eine Stunde. Zu seinem Sohn und dem Mädchen der befreundeten Familie besteht kein Kontakt mehr. Ob und wie lange der Mann für sein Handeln ins Gefängnis muss, wird am 19. Dezember entschieden. Die Opfervertreter fordern Schadenersatz und Genugtuung, die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe von 30 Monaten unter Aufschub zugunsten einer ambulanten Massnahme. Die Verteidigung plädierte auf maximal 24 Monate Gefängnis auf Bewährung.

Von Tamara Schäpper